Sonntag, 17. Juni 2007

Freak Town


Heut nachmittag waren wir mal wieder am Imperialistenpalast. Es ist dort ziemlich langweilig. Man kann aber einmal drum herumlaufen. Die Strecke ist ganz beliebt bei Laeufern und Radfahrern, und staendig sieht man sie mit ner Flasche Wasser in der Hand vorbeiflitzen oder eben auf nem schicken Rennradl vorbeisausen. Da wird man ganz neidisch! Ich will auch wieder auf meinem roten Rennesel uebers Land fahren! Oder durch Tokyo....

Unterwegs zum Yasukuni Jinja haben wir dann irgendwie den Thorsten verloren. Wer sich jetzt wundert, dass wir zu diesem Schrein gegangen sind - wir waren einfach nur neugierig, was das fuer Leute sind, die dort hingehen. Der Yasukuni Jinja ist beruechtigt dafuer, dass die Kriegshelden Japans verehrt werden und die unsaglichen Kriegsverbrechen, die durch sie begangen wurden, verneint werden. Ganz schoen uebel. Als wir gegangen sind, wurden wir von einem Japaner angesprochen, ob wir aus Deutschland kommen. Und er hat uns sehr stolz davon erzaehlt, dass es in seiner Familie eine Tradition ist, dem Shintoismus zu folgen, yare yare...er war ein bisschen von sich ueberrascht, er habe wohl noch nie Auslaender angequatscht. Naja war schon komisch. Und er meinte, dass dieser Schrein sehr schlechtes Ansehen hat (z.B. bei den Chinesen) und ich glaube er wollte irgendwie entschuldigend sein. Ach keine Ahnung. Japan hat ein zweites Holocaust in Nanking veranstaltet und dieser Schrein versucht zu behaupten, es haette nie stattgefunden. Da gibt es nichts zu entschuldigen!

Danach sind wir dann mit der U-Bahn nach Akihabara reingefahren. Ich glaube, es wird "Electronic Town" oder so genannt. Es ist unglaublich bunt und laut da und am Wochenende ist die 3-spurige Strasse, die dort hindurchgeht, fuer Autos gesperrt. Dann sind dort lauter Strassenkuenstler, Bands, lustig und bunt angezogene Leute und haufenweise Freaks, die sich selbst darstellen. Also es ist wirklich krass dort, aber ueberhaupt nicht ueberraschend. Es ist genau das, was wir uns in Europa unter Japan vorstellen. In den Laeden gibt es den allerneusten Elektronikkram zu kaufen. Als ich zum ersten Mal da war, fand ich echt alles normal. Aber heute, da kam es mir doch ganz schoen abgedreht vor. Daher der neue Name - "Freak Town"






Samstag, 16. Juni 2007

Sehnsucht

Loneliness is like hunger; it isn't outside but inside oneself. To be lonely is to sense that one lacks something, something vitally necessary.
Das ist ein Satz aus dem Buch, das ich gerade lese. Oh, wie wahr es ist! Und man muss auch aufpassen, dass man nichts falsches isst..!
Gestern waren wir mit Leuten unterwegs, war das wieder schoen! Wiedermal im Muse gelandet, ist einfach nett da. Naechstes Mal gehen wir woanders hin. Aber dort gibt es ziemlich viele Auslaender. Ungefaehr die Haelfte der Gaeste, wuerde ich sagen. Die Japaner, die dort hinkommen, interessieren sich fuer Auslaender und sind daher wirklich einfach kennenzulernen (Mann wie Frau). Susi hat bestimmt 5 Getraenke spendiert bekommen. Wie schade, dass das in Deutschland so am aussterben ist ;-)

Freitag, 8. Juni 2007

Japan rockt

Diesen Mittwoch war ich mal auf nem Rockkonzert. Das war so richtig Japanisch, aber die Band waren die Red Hot Chili Peppers.
Naja Einlass war so um 7, wir sind natuerlich viel zu spaet gekommen, weil wir uns auf dem Riesengelaende vom Tokyo-Dome nicht gefunden haben. Als wir dann endlich halb 8 drinne waren, haben sie doch echt schon angefangen zu spielen!? Wir haben bestimmt die ersten 2 Lieder verpasst, naja egal. In der ganzen riesen Halle gab es nicht einen Sitz-oder Stehplatz, der nicht zugewiesen war. Sogar unten im Pulk! Es war alles so unglaublich ordentlich, niemand hat geraucht und alle standen auf den ihnen zugewiesenen Plaetzen. Kaum vorstellbar, bei schaetzungsweise 50000 Gaesten.
Unten, wo man normalerweise nur steht, war fuer jeden ein Klappstuhl aufgestellt und die gesamte Flaeche war nochmal in Bloecke unterteilt, so dass sich nie mehr als 30 Leute in die Quere kommen konnten. Zwischen den Reihen standen natuerlich alle. Ja, aber Platz zum Rumspringen war nicht wirklich. Demnach haben auch alle ziemlich ruhig getanzt (genau auf dem viertel Quadratmeter vor dem jeweiligen Klappstuhl) und es gab natuerlich auch keine Verletzten. Die Veranstalter waren sich ihrer Sache so sicher, dass draussen nichtmal ein Krankenwagen fuer den Notfall herumstand. Also ich hab mich gefuehlt wie auf nem anderen Stern. Das Konzert war aber schoen und sie haben relativ lange gespielt (2 Stunden sind schon ok).
Leider kann man auf den Photos kaum war erkennen. Hier ein einziges:

Mittwoch, 6. Juni 2007

Matsuri

Danke Dir Ben fuer den klasse Kommentar.
Um das ganze zu veranschaulichen, hier sind ein paar bunte Bilder vom Sanja Matsuri (in Asakusa) sowie auch vom Kanda Matsuri (letzes Bild).
Please, enjoy!



Normalerweise sind Tatoos am Oberkoerper, und sie auch noch zu zeigen, voellig TABU. Aber auf Matsuri ist es eine Ausnahme. Tatoos sind ein Zeichen fuer Yakuza und daher gefuerchtet. Man kann es sich kaum vorstellen, aber man hoert ziemlich boese Dinge.





Sollen ganz lecker schmecken - Tintenfischbaellchen





Eines von Susis Photos. Ich hatte an dem Tag meine Kamera vergessen. Das Trommeln nennt sich Taiko und ist wirklich eindrucksvoll.

Samstag, 2. Juni 2007


Waah, wie schrecklich!!! Es ist schon ein Drittel meiner Zeit hier vorbei! Und man hat es gar nicht gemerkt.
Es gibt immer viel zu arbeiten und die Freizeit ist wirklich knapp.
Trotz allem...es ist cool. Letztes Wochenende Freitag waren Susi und ich zu einer Japanischen Familie zum Abendessen in ihrem Haus eingeladen. Das war wirklich ein Erlebnis. Es gab Teezeremonie, Origami, lecker Essen und jede Menge Sake. Und eine prima Gelegenheit, Japanisch zu sprechen, weil alle kein Englisch sprachen, oder kaum Englisch. Es war grossartig. Wer in Deutschland wuerde schon ein paar wildfremde Auslaender in sein Haus einladen? Dieser Abend war wirklich inspirierend.



Am Tag darauf gab es im Imperial Palace North Garden im Nihon Budokan eine riesengrosse Massen- Aikidoveranstaltung. Aikidogruppen aus ganz Japan waren angereist und insgesamt waren um die 10000 Menschen anwesend. Auch meine Aikidogruppe und ich. Jede Gruppe hat fuer ein paar Minuten auf einer der Matten ihr Aikido vor dem Dosho (Ueshiba Kisshomaru) und all den anderen Menschen gezeigt. Vom Hombu Dojo waren ganz viele Vorfuehrungen. Ja wirklich cool, da mitgemacht zu haben. Hinterher sind wir ins Izakaya gegangen. Ganz wie daheim!









Gestern abend, Freitag, war ich dann das erste Mal in Tokyo "clubben". Ich bin im "Muse" gewesen. Jeder, der mal in Roppongi die Nacht verbringen will, sollte da hin gehen. Ich kann es nicht beschreiben, aber es war der beste Club, den ich je gesehen habe. Und wenn man in Tokyo weggeht, muss man bis zum naechsten Morgen bleiben, weil Nachts die Bahnen nicht fahren. Und dann war mir an diesem Morgen nur eine Stunde Schlaf gegoennt. Warum, verrate ich nicht ;-)
Und in dieser Woche hatten wir 2 Erdbeben! Das eine war nur leicht, aber heute konnte man es richtig fuehlen. Es war ein paar Kilometer noerdlich von Tokyo und war hier nicht mehr allzu stark, aber es war auf der Richterskala eines der Staerke 4. Es bebt haeufiger ganz leicht. Man spuert es nicht, aber hier im Haus zittern die Waende so leicht, dass nur die Fenster ein bisschen klappern. Ja das ist aber ganz normal hier. Keine Sorge!

Samstag, 19. Mai 2007

Catch the train...which direction?

Vor genau einer Woche habe ich etwas Grosses und Schoenes verloren. Naja, womoeglich noch eher. Und waehrend ich zuvor eigentlich schon an einem Punkt gewesen war, die Nase voll von Japan zu haben, ereignen sich neuerdings lauter erfreuliche Dinge.



Anstatt mich am letzten Sonntag nicht aus der Wohnung zu bewegen, hab ich mir nen Ruck gegeben und bin mit den anderen (Susi, Peter, Michael, Ken) nach Tokyo reingefahren, zum Kanda Matsuri. Wir haben ein paar Japaner gefragt, was der Hintergrund des Festes eigentlich ist und warum sie solche Holzschreine auf ihren Schultern tragen und immer "Saaaa...yoooo!!" rufen. Naja hatte niemand gewusst. Hauptsache Feiern eben ;-) Ja jedenfalls waren da sehr viele Leute und es gab allerlei interessantes Japanisches Essen. Und eine Taiko-Gruppe, die waren super!
Wir sind dann weiter zum Yoyogi Koen und da gab es ein prima grosses Thai Food Festival. Der Park war voller offenherziger Menschen, die einfach ganz entspannt ueberall herumsassen und das leckere Essen genossen haben. Ja dort bin ich auch bis zum Abend geblieben, hab noch meinen Mitbewohner getroffen und den Trommlern zugeschaut und den Leuten, die getanzt haben. Grossartiger Ort, wenn man Leute treffen will.
So die letzte Woche war dann etwas mehr von Arbeit erfuellt, macht aber viel Spass. Im Moment bin ich in der CTR-Section alleine, weil Karen auf Geschaeftsreise ist. Auch mal ganz interessant. Spaetenstens jetzt lerne ich, was selbstaendiges Arbeiten ist.

Gestern abend war ein sehr interessanter Abend. Wir hatten vom Gartenfest der Deutschen Botschaft gehoert und hatten uns Karten besorgt. Also, wir, das waren die Bosch-Interns. Eine Wohltaetigkeitsveranstaltung fuer "in Not geratene Deutsche in Japan". Dachte ja erst, die Jungs haben sich das ausgedacht um mich zu veraeppeln, aber nach der Ansprache des Botschafters hab ich es dann doch geglaubt. Es ist unglaublich, wieviele langweilige Typen es da gab! Kaum 3 Jahre fertig mit Studieren und schon halten sie sich fuer uebernatuerliche Wesen, weil sie viel Kohle verdienen etc. Na gut, mit allen 700 Gaesten hatte ich mich nicht unterhalten, aber die Veranstaltung war enttaeuscherderweise schon bissl steif. Gut, dass ich da war und alles etwas aufgelockert habe ;-))
Naja spaeter waren die anderen schon gegangen und ich wollte mich auch gerade zum Gehen wenden, da passiert doch etwas Unglaubliches. Ich komme in diesen Raum in der Villa und da spielt jemand total klasse Klavier. Ich mich hingestzt, um zu lauschen, und die Frau neben mir meint so "Kaum zu glauben, wie gut der Klavier spielt, so wie der aussieht, wuerde man dem das gar nicht zutrauen!". Sowas, oder? Dabei war er nur nicht in Jackett, sondern in laessiger Jeans und Shirt. Ja. Traurig, wie man so oberflaechlich sein kann. Und genau dieser Mann, o-namae ha Shun-kun da, ist der erste Japaner, den ich treffe, der seine Gedanken und Gefuehle in Worte fasst und sie offenbart.
Im Moment entdecke ich Japan ganz neu und das auch wegen Erlebinssen wie diesen. Es gibt viele schlechte Dinge, und viele Menschen hier scheinen sich von anderen Menschen nur durch ganz wenig zu unterscheiden. Ich meine damit insbesondere, eine unabhaengige Meinung zu haben.
Orte wie im Sueden des Yoyogi Koen und die Festivals, die da stattfinden (heute waren Shun und ich auf dem Jamaican Festival - herrliche Atmosphaere!) sind die beste Moeglichkeit, Leute kennenzulernen. Und zwar, weil sie nicht gerade einkaufen oder zur Arbeit gehen, sondern entspannen und den Trubel geniessen. Und naja, Leute, die vor Auslaendern Angst haben, gehen gar nicht erst hin an solche Plaetze. Ich glaube, die naechste Zeit in Japan wird mir vieles beibringen. Jetzt bin ich wieder offen^^

Samstag, 5. Mai 2007

Onjuku Beach

Gestern, ein herrlicher sonniger und windiger Tag, sind wir Bosch-Praktikanten gemeinsam ans Meer gefahren. An den Pazifischen Ozean! Es gab tolle Wellen, haufenweise Surfer und man konnte sogar baden gehen (irgendeiner warmen Meeresstroemung zu verdanken). Der Ort heisst Onjuku und war mit dem Zug 1,5 bis 2 Stunden entfernt von Funabashi. So ein Tag ist wie Urlaub und erinnert mich schmerzhaft an die schoene Ostsee, die ich in diesem Sommer nicht einmal zu Gesicht bekomme :/ Naja der Pazifik ist zwar kein Trost, aber durchaus ein Ersatz. Tolle Muscheln findet man hier...ganz bunt. Es wird in diesem Sommer nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dorthin fahre.